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Donnerstag, 6. Mai 2010 | | 0 Kommentare

Autor des Monats Mai 2010: Elfriede Jelinek

Elfriede Jelinek wurde am 20. Oktober 1946 in Mürzzuschlag (Steiermark) als Tochter des Chemikers Friedrich Jelinek und seiner aus dem Wiener Großbürgertum stammenden, in einem Industrieunternehmen angestellten Ehefrau Olga geboren. "Ihr Vater war jüdischer Herkunft und überlebte den Holocaust nur, weil er als Chemiker mit kriegswichtigen Forschungsaufgaben betraut war. Elfriede Jelinek wuchs in Wien auf, erhielt auf Betreiben der Mutter bereits als Kind Musikunterricht und kam als Dreizehnjährige ans Konservatorium. Parallel zur Musik studierte Elfriede Jelinek nach der Reifeprüfung (1964) einige Zeit Kunstgeschichte und Theaterwissenschaften – bis sie es wegen ihrer Angstzustände nicht mehr wagte, das Elternhaus zu verlassen. Erst als ihr Vater 1969 in einer psychiatrischen Klinik geistig umnachtet gestorben war, erholte sie sich etwas und schloss 1971 ihr Musikstudium mit einem Organistendiplom ab. Drei Jahre später heiratete sie Gottfried Hüngsberg, blieb aber auch mit ihrer Mutter weiterhin zusammen: Olga Jelinek lebte bis zu ihrem Tod mit sechsundneunzig Jahren im Jahr 2000 im selben Haushalt.

Mit einundzwanzig veröffentlichte sie ihre ersten Gedichte. Elfriede Jelinek schrieb auch Erzählungen, Romane, Hörspiele, Drehbücher und Bühnenstücke.

In ihren Werken untersucht Elfriede Jelinek, wie die vorherrschende kapitalistische Lebensauffassung das Verhalten prägt. Sie setzt sich für die unterprivilegierten Schichten ein und versucht, das Bewusstsein der Benachteiligten zu verändern, ihnen die Augen zu öffnen für die Manipulation, der sie ausgesetzt sind. Die Unterdrückung der Frau betrachtet sie als Teil dieses größeren Zusammenhangs. Ihre provokante Kritik macht sie vor allem am Beispiel der österreichischen Gesellschaft fest und verbot aus Protest gegen die politischen Verhältnisse sogar einige Zeit die Aufführung ihrer Stücke in Österreich.

Seit der Heirat lebte Elfriede Jelinek abwechselnd in Wien und München. Der literarische Durchbruch gelang ihr 1975 mit dem Roman die liebhaberinnen, der marxistisch-feministischen Karikatur eines Heimatromans. Vor allem in den 70ern entstanden zahlreiche Hörspiele.
Der erste große Skandal um Jelinek wurde 1985 durch die Uraufführung von Burgtheater heraufbeschworen. Das Drama setzt sich mit der mangelhaften NS-Vergangenheitsbewältigung in Österreich auseinander, mit der Vergangenheit der Schauspielerin Paula Wessely im Mittelpunkt.

1983 erschien der Roman Die Klavierspielerin. In den Rezensionen überwog jedoch die biografische Deutung. 1989 folgte mit Lust das nächste aufsehenerregende und zugleich Jelineks meistverkauftes Werk. Jelineks Auseinandersetzung mit den patriarchalischen Machtverhältnissen auch im Bereich der Sexualität wurde im Vorfeld als „weiblicher Porno“ skandalisiert.

Nachdem das Theaterstück Raststätte eine ähnliche Rezeption wie Lust erfuhr und nach persönlichen Angriffen auf die Autorin auf Wahlplakaten der Wiener FPÖ 1995 gibt Jelinek ihren Rückzug aus der österreichischen Öffentlichkeit bekannt und erlässt ein Aufführungsverbot ihrer Stücke für Österreich.

Am 7. Oktober 2004 gab Horace Engdahl, der Ständige Sekretär der Schwedischen Akademie, in Stockholm bekannt, dass Elfriede Jelinek den Nobelpreis für Literatur erhalten werde. Als Begründung gab er an, die österreichische Schriftstellerin entlarve "mit einzigartiger Leidenschaft die Absurdität und zwingende Macht sozialer Klischees" und erschüttere "mit ihrem Zorn und mit Leidenschaft ihre Leser in den Grundfesten". Elfriede Jelinek kündigte sogleich an, dass sie nicht zur Preisverleihung nach Schweden reisen werde. Der Preis wurde ihr dann schließlich privat in Österreich überreicht.

Aus Protest gegen die Verleihung des Literaturnobelpreises an Elfriede Jelinek zog der emeritierte Sprachprofessor Knut Ahnlund (*1923) sich im Oktober 2005 nach zweiundzwanzig Jahren aus der Schwedischen Akademie zurück.
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Mittwoch, 5. Mai 2010 | | 0 Kommentare

Autor des Monats April 2010: Martin Walser


Martin Johannes Walser (24. März 1927 in Wasserburg am Bodensee) ist ein deutscher Schriftsteller. Bekannt wurde Walser durch seine Darstellung innerer Konflikte der Antihelden in seinen Romanen und Erzählungen.
Von 1938 bis 1943 besuchte er die Oberrealschule in Lindau und wurde anschließend als Flakhelfer eingezogen. Nach Unterlagen des Berliner Bundesarchivs ist Walser in der Zentralkartei der NSDAP mit dem Eintrittsdatum 30. Januar 1944 verzeichnet. Walser bestreitet jedoch, jemals einen Aufnahmeantrag ausgefüllt zu haben. Nach dem Reichsarbeitsdienst erlebte er das Ende des Zweiten Weltkrieges als Soldat der Wehrmacht. Nach Kriegsende machte er 1946 in Lindau am Bodensee-Gymnasium das Abitur und studierte an den Universitäten Regensburg und Tübingen Literaturwissenschaft, Geschichte und Philosophie. Mit einer Dissertation zu Franz Kafka wurde er 1951 in Tübingen promoviert.
Während des Studiums arbeitete Walser als Reporter für den Süddeutschen Rundfunk und schrieb seine erste Hörspiele. Zusammen mit Helmut Jedele bildete er den Kern der „Genietruppe” des Hörfunks.
Sein erster Roman Ehen in Philippsburg erschien 1957 und wurde ein großer Erfolg.
Walser ist Mitglied der Akademie der Künste Berlin, der Sächsischen Akademie der Künste, der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung (Darmstadt) und Mitglied des deutschen P.E.N.
Ein immer wiederkehrendes Motiv Walsers ist das Scheitern am Leben. Walsers Helden tragen meist einsilbige Nachnamen („Dorn”, „Halm”, „Zürn”, „Lach”, „Gern”), und sie sind den Anforderungen, die ihre Mitmenschen an sie oder sie selbst an sich stellen, nicht gewachsen. Der innere Konflikt, den sie deswegen mit sich austragen, findet sich in allen großen Walser-Romanen wieder.

Montag, 1. März 2010 | | 0 Kommentare

Autor des Monats März 2010: Marcel Reich-Ranicki

Marcel Reich-Ranicki ist der größte und einflussreichste deutsche Literaturkritiker der Gegenwart. Er wurde am 2. Juni 1920 in Włocławek an der Weichsel als drittes Kind des Fabrikbesitzers David Reich und dessen Ehefrau Helene Reich geboren. Anders als seine Geschwister Alexander Herbert (1911 – 1943) und Gerda (1907 – 2006) besuchte er die deutsche Schule von Włocławek. Seine Jugend verbrachte er in Berlin, wo er auch am Fichte-Gymnasium sein Abitur machte.



Im Herbst 1938 wurde er verhaftet und nach Polen ausgewiesen. Seine große Liebe und spätere Ehefrau Teofila Langnas (geboren am 12. März 1920) lernte er in Warschau kennen. Nach der Zwangsumsiedlung ins Warschauer Ghetto im Jahr 1940 heirateten sie. Zu dieser Zeit arbeitete Reich-Ranicki als Übersetzer, weswegen er und seine Frau von der Deportation ins Vernichtungslager Treblinka verschont wurden. Zudem schrieb er unter dem Pseudonym Wiktor Hart Konzertrezensionen für die Ghettozeitung "Gazeta Żydowska".



Am 3. Februar 1943 konnten Marcel Reich-Ranicki und seine Frau Teofila Reich-Ranicki aus dem Warschauer Ghetto flüchten und fanden bis Ende September 1944 bei der Familie Gawin Unterschlupf. 1948 wurde er unter dem Namen "Marceli Ranicki" zum Vize-Konsul an der polnischen Botschaft in London, wo er zuständig war für die Rückführung polnischer Emigranten. In London wurde am 30. Dezember 1948 sein Sohn Andrew Ranicki geboren. Ende 1949 kehrte Reich-Ranicki auf eigenen Wunsch hin nach Warschau zurück.



Reich-Ranicki wurde 1950 Lektor für deutsche Literatur in einem großen Warschauer Verlagshaus. Im Winter 1951 entschied er sich für eine Tätigkeit als freier Schriftsteller. In den Jahren 1953 und 1954 verboten ihm die polnischen Behörden jegliche Publikation.



1958 wanderte er in die Bundesrepublik Deutschland aus, wo er zwischen 1960 und 1973 als Literaturkritiker für "Die Zeit" tätig war. Von 1973 bis 1988 leitete er die Literaturredaktion der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". In diese Zeit fällt sein Mitwirken am Aufbau von Institutionen der deutschsprachigen Literatur wie der "Frankfurter Anthologie" und dem Ingeborg-Bachmann-Preis.



Einen höheren Bekanntheitsgrad in der breiten Bevölkerung erlangte Marcel Reich-Ranicki mit der Leitung der ZDF-Sendung "Das literarische Quartett" vom März 1988 bis Dezember 2001.

Reich-Ranicki zeigte sich auch im Bereich der Lehre engagiert. Er unterrichte in den Jahren 1968 und 1969 an verschiedenen amerikanischen Universitäten. 1971 bis 1975 war er ständiger Gastprofessor für Neue Deutsche Literatur an den Universitäten Stockholm und Uppsala. Seit 1974 ist er Honorarprofessor an der Eberhard Karls Universität Tübingen. 1990 erhielt Marcel Reich-Ranicki die Heinrich-Heine-Gastprofessur an der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität, 1991 die Heinrich-Hertz-Gastprofessur an der Universität Karlsruhe.



Auf Gesuch der "Freunde der Universität Tel Aviv" hin entstand im Jahr 2006 der Marcel-Reich-Ranicki-Lehrstuhl für Deutsche Literatur an der Universität Tel Aviv.

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Donnerstag, 11. Februar 2010 | | 0 Kommentare

Autor des Monats Februar 2010: Michael Ende


Der deutsche Schriftsteller Michael Andreas Helmuth Ende wurde am 12. November 1929 in Garmisch geboren und starb am 28. August 1995 in Filderstadt-Bonlanden in der Nähe von Stuttgart.
Er war der Sohn des surrealistischen Malers Edgar Ende. Die Werke des Vaters wurden im Dritten Reich zur „entarteten Kunst“ gezählt und durften nicht mehr verkauft werden. Aus diesem Grund verlebte die Familie in München eine schwierige Zeit.
Michael Ende machte seinen Schulabschluss auf der ersten von Rudolf Steiner gegründeten Waldorfschule in Stuttgart und führte dort bereits mit 17 Jahren ein von den Eltern unabhängiges Leben.
1949 besuchte Michael Ende die Falckenberg-Schauspielschule in München. Nach erfolgreichem Abschluss agierte er bis 1953 an verschiedenen Theatern. Zu dieser Zeit schrieb Ende bereits Texte für politische Kabaretts und war von 1954 bis 1962 als Filmkritiker beim Bayerischen Rundfunk tätig.
Seinen eigenen Theaterstücken war zunächst kein Erfolg beschieden und auch das Manuskript zu „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ wurde 12 Jahre lang abgelehnt, bis der Thienemann-Verlag es 1960 als Kinderbuch herausbrachte. Das erfolgreiche Werk wurde in über 20 Sprachen übersetzt und begeisterte Millionen von Kindern in den Aufführungen der Augsburger Puppenkiste.
Einige deutsche Literaturkritiker taten Endes Werk als „Kinderkram“ ab und warfen ihm Weltflucht vor. Daraufhin beschlossen Michael Ende und seine Ehefrau Ingeborg sich in Italien niederzulassen. Die italienische Lebensart lenkte Endes schöpferischen Geist in eine neue Richtung, 1973 entstand der märchenhafte und gesellschaftskritische Fantasy-Roman „Momo“ der in über dreißig Sprachen übersetzt wurde.
1979 folgte ein weiterer besonderer Fantasy-Roman „Die unendliche Geschichte“, dessen Gesamtauflage die Millionen-Grenze überschritt. Dieses Buch wurde weltweit veröffentlicht und kontrovers diskutiert wie kaum ein anderes. Es machte Michael Ende zum Kultautor und Wegbereiter der Fantasy-Literatur in Deutschland. In „Momo“ und in „Die unendliche Geschichte“ präsentiert Michael Ende die düstere Vision einer Welt, in der Fantasie und Menschlichkeit verschwinden. In beiden Romanen kämpfen die Hauptpersonen um den Erhalt von Träumen und der grenzenlosen Vorstellungskraft.
Die Verfilmungen seiner beiden erfolgreichsten Bücher trugen ebenfalls zu seinem hohen Bekanntheitsgrad bei, wobei Ende sich von der Machart der Verfilmung von „Die unendliche Geschichte“ scharf distanzierte. Der Kinofilm durfte sich nicht direkt auf seine Romanvorlage berufen.
Michael Ende war ein ungewöhnlich vielseitiger Autor, der neben zahlreichen Kinder- und Jugendbüchern poetische Bilderbuchtexte, Bücher für Erwachsene, Theaterstücke, Opernlibretti und Gedichte geschrieben hat. Seine Werke für die Zielgruppe der erwachsenen Leser kamen jedoch nie an die Erfolge von „Momo“ und „Die unendliche Geschichte“ heran.
Michael Ende erhielt zahlreiche Literaturpreise, darunter den Deutschen Jugendliteraturpreis 1961 für „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ und 1974 für „Momo“. „Die unendliche Geschichte“ wurde 1980 mit dem Wilhelm-Hauff-Preis und dem Silbernen Griffel ausgezeichnet. Zu seinem 60. Geburtstag 1989 erhielt Michael Ende das Bundesverdienstkreuz.
Michael Ende war seit 1964 mit der Schauspielerin Ingeborg Hoffmann verheiratet, die ihn sehr unterstütze. Als sie 1985 starb, kehrte er nach München zurück und heiratete 1989 die Japanerin Mariko Sato. Am 28. August 1995 starb Ende in der Nähe von Stuttgart an Magenkrebs.
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Donnerstag, 7. Januar 2010 | | 0 Kommentare

Autor des Monats Januar 2010: Siegfried Lenz

Siegfried Lenz, der am 17. März 1926 in Lyck, einer kleinen Stadt im masurischen Ostpreußen geboren wurde, zählt seit langem zu den bedeutendsten Autoren der deutschsprachigen Nachkriegs- und Gegenwartsliteratur.Nachdem Lenz aus englischer Kriegsgefangenschaft entlassen worden war, ging er nach Hamburg und studierte Philosophie, Anglistik und deutsche Literaturgeschichte, ehe er 1950/51 als Redakteur für die "Welt" arbeitete. Seit 1951 lebt er als freier Schriftsteller in Hamburg.
Bereits mit seinem ersten Roman "Es waren Habichte in der Luft" gelang es ihm, die Kritik und die Leser für sich einzunehmen, und bis heute zeichnet sich Lenz' Werk dadurch aus, dass es menschliche Schicksale und aktuelle gesellschaftliche Fragen auf eine Weise verbindet, die literarisch ambitioniert breite Leserschichten interessiert.Weite Teile des Lenzschen Werkes sind geprägt durch die Auseinandersetzung mit gesellschaftskritischen Problemen (etwa die Romane "Der Mann im Strom", 1957, oder "Brot und Spiele", 1959, einer der wenigen geglückten Sportromane der deutschen Literatur) und mit dem Dritten Reich bzw. seiner Verarbeitung. Zu Lenz' größtem Erfolg wurde dabei der 1968 erschienene Roman "Deutschstunde", der auch international bahnbrechend wurde. Wie der junge Siggi Jepsen darin die Geschichte seines Vaters, eines norddeutschen Polizisten, der es im Nationalsozialismus für seine Pflicht hält, das Malverbot seines Freundes Nansen zu überwachen, erzählt, ist eine bis heute bestechende Demaskierung eines pervertierten Pflichtbegriffs.
Der "Deutschstunde" folgten viele große Romane ("Das Vorbild", 1973, "Heimatmuseum", 1978, "Der Verlust", 1981, "Exerzierplatz", 1985, oder "Die Auflehnung", 1994), die Lenz an die Seite der großen deutschen Gegenwartsautoren wie Heinrich Böll, Günter Grass oder Martin Walser stellten. Sein Werk umfasst alle literarischen Gattungen: Lenz arbeitete für das Theater ("Zeit der Schuldlosen", 1961), schrieb Hörspiele ("Haussuchung", 1967) und Essays ("Mutmaßungen über die Zukunft der Literatur", 2001), und für viele Leser ist er nicht zuletzt ein Meister der "kleinen Form".
Lenz' Bücher sind in rund 30 Ländern und in 22 Sprachen übersetzt in einer Auflage von mehr als 20 Millionen Exemplaren erschienen. Für sein Œuvre wurde er mit zahlreichen Ehrungen ausgezeichnet, darunter der Gerhart-Hauptmann-Preis, der Thomas-Mann-Preis, der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, der Bayerische Staatspreis für Literatur, der Goethe-Preis der Stadt Frankfurt am Main sowie seit dem 2. Dezember 2004 die Ehrenbürgerschaft des Landes Schleswig-Holstein.
(Quelle: dtv)
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Freitag, 18. Dezember 2009 | | 0 Kommentare

Autor des Monats Dezember: Friedrich Schiller

Friedrich von Schiller wurde 1759 in dem Städtchen Marbach am Neckar in der Nähe von Stuttgart geboren. Sein Vater war ein einfacher Offizier im Dienst des Herzogs von Württemberg. Schiller hing sehr an seiner Mutter. Sie war eine stille, fromme Frau. Deshalb wollte er als Kind auch Pfarrer werden.

Auf der Suche nach Freiheit
Schon mit 13 Jahren musste Schiller sein Elternhaus verlassen. Auf Befehl des Herzogs von Württemberg musste er von jetzt an eine Militärakademie bei Stuttgart besuchen, also eine Schule für zukünftige Soldaten. Hier blieb er acht Jahre. Er kam sich an dieser Schule wie in einem Gefängnis vor. Denn die Schüler dort hatten wenig Freiheit, sie wurden zum Gehorsam gezwungen.
Aus dieser Zeit stammt Schillers Liebe zur Freiheit. Er schrieb heimlich in diesen Jahren sein erstes Schauspiel "Die Räuber". In diesem Drama ruft er zum Kampf gegen alle Tyrannen und Diktatoren.
Nach Beendigung der Schulzeit wurde Schiller ein einfacher Militärarzt, denn er hatte auf der Schule etwas Medizin lernen müssen. Dieser Beruf machte ihm aber überhaupt keine Freude.

Durch viel Not
Anonym ließ Schiller dann in Mannheim sein Schauspiel "Die Räuber" aufführen. Das Drama hatte einen riesigen Erfolg. Daraufhin verbot der Herzog von Württemberg Schiller, Schauspiele zu schreiben. Aber Schiller musste einfach Dramen schreiben, er war ein echter Dichter. Außerdem wollte er sich vom Herzog nicht zu etwas zwingen lassen. Deshalb floh Schiller 1782 aus Württemberg in einen anderen deutschen Staat. Schiller wanderte in den Jahren von 1782 bis 1789 durch Deutschland hin und her. Er litt viel Not. Manchmal wurde ein Gedicht vom ihm abgedruckt. Auch sein in diesen Jahren entstandenes Schauspiel "Kabale (= Intrige) und Liebe" wurde aufgeführt. In ihm schildert Schiller, wie ein junger Adliger und ein einfaches Bürgermädchen sich lieben und doch wegen ihres verschiedenen Standes nicht heiraten können. Beide gehen schließlich zugrunde. Aber durch das alles bekam Schiller nicht viel Geld. Auch war er öfter krank. Aber immer wieder nahmen Freude und Bewunderer ihn bei sich auf und halfen ihm eine Zeitlang aus der Not.

Ein neuer Lebensabschnitt
1789 bekam Schiller durch Hilfe von Goethe eine Anstellung als Professor für Geschichte in Jena in Sachsen. Jetzt hatte er ein sicheres Einkommen. Deshalb konnte er jetzt seine Verlobte Charlotte von Lengefeld heiraten. Außerdem lag Jena dicht bei Weimar. Dort in seiner Residenz hatte der Herzog von Sachsen-Weimar Goethe und zahlreiche andere Dichter, Künstler und Gelehrte versammelt.
In den folgenden Jahren schrieb Schiller kein Drama und nur wenige Gedichte. Er beschäftigte sich jetzt viel mit Geschichte und philosophischen Fragen, besonders mit der Philosophie Kants.

Eine große Freundschaft
1794 lernte Schiller Goethe näher kennen. Beide Männer waren sehr verschieden. Goethe hatte nie äußere Not gelitten, Schiller dagegen mußte viel Not durch Geldsorgen und Krankheit durchmachen. Wenn Goethe dichtete oder wissenschaftlich arbeitete, musste er alles sehen und empfinden können. Schiller dagegen beschäftigte sich lieber mit theoretischen Begriffen wie z.B. Schönheit oder Menschenliebe. Deshalb ist Schillers Sprache auch nicht so natürlich wie die Goethes, sondern oft etwas künstlich und pathetisch. Dennoch kann uns seine Sprache begeistern und mitreißen. Aber trotz dieser Gegensätze entstand zwischen beiden Dichtern eine immer enger werdende Freundschaft und große Hochachtung.
1799 zog Schiller nach Weimar. Er kaufte sich dort ein Haus für sich und seine Familie. Durch die Freundschaft zwischen Goethe und ihm wurden beide wieder zum Dichten angeregt. Schon vorher hatte Schiller das Schauspiel "Don Carlos" geschrieben. Jetzt entstanden die Dramen "Wallenstein", "Die Jungfrau von Orleans" und "Maria Stuart".
Sein letztes vollendetes Drama ist "Wilhelm Tell". In ihm schildert er den Freiheitskampf der Schweizer unter ihrem Anführer Tell.

Ein früher Tod
Schiller war ein tapferer Mensch, ein mutiger Kämpfer und ein fleißiger Arbeiter. Er verlangte viel von sich. Deshalb war er oft krank. So ist er schon 1805 mit 46 Jahren in Weimar gestorben. Er hätte noch manches große Werk schaffen können. Mit ihm verlor Deutschland seinen nach Goethe größten Dichter.

Sonntag, 1. November 2009 | | 0 Kommentare

Autor des Monats November: Herta Müller




Herta Müller (* 17. August 1953 in Nitzkydorf, Rumänien) ist eine deutsche Schriftstellerin. Am 8. Oktober 2009 wurde bekanntgegeben, dass sie mit dem Nobelpreis für Literatur 2009 ausgezeichnet wird.



Herta Müller, deren Familie zur deutschen Minderheit in Rumänien gehörte, wurde als Banater Schwäbin im Banat geboren. Ihr Großvater war ein wohlhabender Bauer und Kaufmann. Er wurde unter dem kommunistischen Regime in Rumänien enteignet. Ihre Mutter wurde zu jahrelanger Zwangsarbeit in die UdSSR deportiert. Ihr Vater, ein ehemaliger Soldat der Waffen-SS, verdiente seinen Lebensunterhalt als Lkw-Fahrer. Nach dem Abitur studierte sie an der Universität des Westens Timişoara Germanistik und Rumänistik. Ab 1976 arbeitete Herta Müller als Übersetzerin in einer Maschinenfabrik, wurde allerdings 1979 nach ihrer Weigerung, mit der rumänischen Securitate zusammenzuarbeiten, entlassen. Sie verdiente ihren Lebensunterhalt mit zeitweiliger Lehrtätigkeit in Schulen – unter anderem am deutschsprachigen Nikolaus Lenau Lyzeum in Timişoara – und in Kindergärten sowie mit privatem Deutschunterricht. In Temeswar war Herta Müller die einzige Frau in einer Gruppe junger Schriftsteller um den Dichter und Zeitungsherausgeber Nikolaus Berwanger. Ihr erstes Buch "Niederungen", dessen Manuskript vor der Veröffentlichung in Rumänien dort über vier Jahre vom Verlag zurückgehalten wurde, konnte 1982 in Rumänien, wie alle Publikationen, nur in stark zensierter Fassung erscheinen. Teile der Banater Schwaben empfanden dieses Buch als „Nestbeschmutzung“.



1987 reiste Herta Müller mit ihrem damaligen Ehemann, dem Schriftsteller Richard Wagner, in die Bundesrepublik Deutschland aus. In den folgenden Jahren erhielt sie eine Reihe von Lehraufträgen als Writer in residence an Universitäten im In- und Ausland. 1998 wurde sie auf die „Brüder-Grimm-Gastprofessur“ der Universität Kassel berufen, 2005 war sie „Heiner-Müller-Gastprofessorin“ an der Freien Universität in Berlin, wo sie heute lebt.



Herta Müller gehörte bis zu ihrem Austritt 1997 dem P.E.N.-Zentrum Deutschland an; seit 1995 ist sie Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung.



2009 wurde ihr Roman "Atemschaukel", der durch ein Grenzgänger-Stipendium der Robert Bosch Stiftung ermöglicht wurde, für den Deutschen Buchpreis nominiert und gelangte ins Finale der besten sechs Romane. In diesem Buch zeichnet die Autorin den Weg eines jungen Mannes in ein Deportationslager nach Russland nach, das exemplarisch für das Schicksal der deutschen Bevölkerung in Siebenbürgen nach dem Zweiten Weltkrieg steht. Als Modell diente ihr dabei das Erleben des 2006 verstorbenen Lyrikers und Georg-Büchner-Preisträgers Oskar Pastior, dessen mündliche Erinnerungen Herta Müller in mehreren Heften notiert hat.



Am 1.Oktober 2009 erhielt Herta Müller den Franz-Werfel-Menschenrechtspreis der Stiftung Zentrum gegen Vertreibungen.



Am 8. Oktober 2009 wurde bekanntgegeben, dass Herta Müller den Nobelpreis für Literatur für 2009 erhalten wird. Sie habe „mittels Verdichtung der Poesie und Sachlichkeit der Prosa Landschaften der Heimatlosigkeit“ gezeichnet, hieß es in der Würdigung. Begründet wurde die Vergabe des Nobelpreises mit der Intensität der von ihr verfassten Literatur. Die Titel ihrer Bücher enthalten häufig Sprachbilder, die im Hochdeutschen nicht üblich sind, wie z. B. „Der Teufel sitzt im Spiegel.“ Ihr aktueller Roman "Atemschaukel" wurde 2009 veröffentlicht.



Ausgewählte Werke Herta Müllers sind in 24 Sprachen veröffentlicht worden.
(Quelle: Wikipedia)

Freitag, 8. Mai 2009 | | 0 Kommentare

Author des Monats Mai: Heinrich Böll

Heinrich Böll ist am 21. Dezember 1917 in Köln geboren worden. Er war das 8. Kind des Schreiners Viktor Böll und seiner zweiten Frau Marie.
Heinrich Böll begann im Jahr 1937, nach Bestehen des Abiturs, eine Ausbildung zum Buchhändler. Zeitgleich unternahm er die ersten Versuche als Schriftsteller. Seine Ausbildung brach Heinrich Böll nach weniger als einem Jahr ab, um ein Studium der Germanistik und Philologie aufzunehmen.
Einige Monate später wurde er zur Infanterie einberufen. Im März 1943 heiratete er die Lehrerin Annemarie Cech. Im Jahr darauf erlag seine Mutter nach einem Fliegerangriff auf Köln einem Herzinfarkt. 1945 geriet er vorübergehend in amerikanische und britische Kriegsgefangenschaft.
Nach dem Krieg nahm Heinrich Böll das Studium wieder auf und verdiente den Lebensunterhalt zunächst mit Gelegenheitsarbeiten. Mit der Veröffentlichung seiner Kurzgeschichte "Der Zug war pünktlich" begann er 1947 eine Karriere als Schriftsteller. Vier Jahre später zeichnete die "Gruppe 47" ihn für seine satirische Erzählung "Die schwarzen Schafe" mit einem Preis aus. Viele seiner Geschichten handeln von Außenseitern, die den Krieg nicht vergessen können, während die Konformisten um sie herum nicht daran erinnert werden wollen und die Gesellschaft das Wirtschaftswunder feiert. Damit wurde Heinrich Böll nicht nur zu einem der wichtigsten Vertreter der deutschen Nachkriegs- und Trümmerliteratur, sondern auch zu einem der meistgelesenen Autoren der Bundesrepublik Deutschland.
Von 1971 bis 1974 amtierte er als Präsident des internationalen P. E. N.-Clubs. 1972 erhielt er den Nobelpreis für Literatur. Mit seiner Ehefrau Annemarie Böll zusammen übersetzte er einige Romane englischer, irischer, amerikanischer und australischer Autoren ins Deutsche, so zum Beispiel: "Zur Ruhe kam der Baum des Menschen nie" von Patrick White. Heinrich Böll starb nach langer Krankeit am 16. Juli 1985 in Langenbroich.
Andere bekannte Werke von Böll sind:
Wanderer, kommst du nach Spa... (1950)
Wo warst du, Adam? (1951)
Nicht nur zur Weihnachtszeit (1952)
Und sagte kein einziges Wort (1953)
Haus ohne Hüter (1954)
Doktor Murkes gesammeltes Schweigen (1958)Ansichten eines Clowns (1963)
Gruppenbild mit Dame (1971)
Die verlorene Ehre der Katharina Blum (1974)

Dienstag, 31. März 2009 | | 0 Kommentare

Autor des Monats April: Thomas Mann

Paul Thomas Mann wird am 6. Juni 1875 in Lübeck geboren. 1893 zieht die Familie nach München.

Als Gasthörer schreibt sich Thomas Mann, mit der Absicht, Journalist zu werden, an der Technischen Hochschule München ein und veröffentlicht im selben Jahr seinen ersten Text "Gefallen". 1896 und 1897 beginnt der Schriftsteller mit der Arbeit an dem Roman "Buddenbrooks", der 1899 fertig wird. Ab 1899 arbeitet er als Lektor bei der Zeitschrift "Simplicissimus".
1903 erscheint die Novelle "Tonio Kröger". Die Erstausgabe der "Buddenbrooks" stößt nur vereinzelt auf Resonanz, erst die zweite Auflage von 1903 bringt den Durchbruch und macht Thomas Mann in der Öffentlichkeit bekannt.
1904 lernt Mann Katharina Pringsheim kennen und heiratet sie 1905, entscheidet sich damit für ein bürgerliches Leben.
1924, ein Jahr nach dem Tod der Mutter, beendet Thomas Mann seinen Roman "Zauberberg", an dem er von 1913 an schrieb. 1929 wird dem Schriftsteller für seinen 28 Jahre vorher erschienenen Roman "Buddenbrooks" der Nobelpreis für Literatur verliehen. 1933 reisen die Manns nach Holland und flüchten vor dem Nationalsozialismus. Im selben Jahr erscheint der erste Band der Joseph-Tetralogie: "Die Geschichten Jaakobs", der zweite Band "Der junge Joseph" erscheint 1934.
In den zwei folgenden Jahren unternimmt Thomas Mann mehrere Reisen in die USA. 1936 nimmt er die tschechoslowakische Staatsbürgerschaft an. Der dritte Joseph-Band "Joseph in Ägypten" erscheint im selben Jahr. Unmittelbar nach der Verleihung des Ehrendoktorats der Columbia University, New York siedelt der Schriftsteller in die USA über. 1940 beginnt er mit seinen monatlichen Radio-Appellen an das deutsche Volk. 1943 schließt er seine Joseph-Tetralogie mit "Joseph, der Ernährer" ab und wird 1944 amerikanischer Staatsbürger. Nach dem Ende des Krieges überlegt Thomas Mann, nach Europa zurückzukehren, eine Lungenoperation verschiebt aber seine Pläne. Die erste Europareise unternimmt er 1947, kehrt aber in die USA zurück. Der Roman "Doktor Faustus" erscheint im selben Jahr.
Ab 1949 ehren unzählige Universitäten wie Oxford, Lund, Cambridge und Jena den Literatur-Nobelpreisträger mit der Ehrendoktorwürde, 1949 erhält er den Goethepreis der Stadt Frankfurt, die Stadt Lübeck macht ihn zum Ehrenbürger. Erst 1952 entscheidet sich Thomas Mann, endgültig nach Europa zurückzukehren und geht nach Erlenbach in die Schweiz. Sein Verhältnis zu Deutschland bleibt ambivalent. 1954 schreibt er an den "Bekenntnissen des Hochstaplers Felix Krull", die aber Fragment bleiben. Im Juli 1955 erkrankt er an einer Thrombose, kurz darauf, am 12. August 1955, stirbt Thomas Mann in Zürich.

Montag, 9. März 2009 | | 0 Kommentare

Autor des Monats März: Bernhard Schlink


Bernhard Schlink (* 6. Juli 1944 in Bielefeld) ist ein deutscher Professor für Rechtswissenschaften und Romanautor.
Schlinks Vater, Edmund Schlink, war Theologieprofessor in Heidelberg und sein Großvater Wilhelm Schlink Professor für Mechanik. Seine Tante Basilea Schlink war eine evangelische Ordensgründerin. Sein Schwager ist der frühere evangelische Landesbischof von Baden und ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Klaus Engelhardt.
Bernhard Schlink zog kurz nach der Geburt mit seiner Familie nach Heidelberg, wo er seine Kindheit verbrachte.

Schlink studierte Jura an der Ruprecht-Karls-Universität zu Heidelberg und an der Freien Universität Berlin. Als wissenschaftlicher Assistent war er an den Universitäten in Darmstadt, Bielefeld und Freiburg tätig. Er wurde im Jahr 1975 in Heidelberg zum Dr. jur. promoviert.

Bernhard Schlink begann schon früh, literarische Texte zu schreiben. Mit acht Jahren verarbeitete er in dem Drama "Der Brudermord" einen Streit zwischen ihm und seinem Bruder Wilhelm. In den Jahren seiner Pubertät entstanden Sonette, die seiner unglücklichen Jugendliebe gewidmet waren.
1987 schrieb er zusammen mit dem Kollegen Walter Popp seinen ersten Roman "Selbs Justiz". Darin erzählt er die Geschichte des 68-jährigen Privatdetektivs Gerhard Selb, der bei der Lösung eines Falles mit seiner eigenen Vergangenheit konfrontiert wird.
Schlink wurde auf der Criminale 1989 der Friedrich-Glauser-Preis für seinen Kriminalroman "Die gordische Schleife" verliehen.
Für "Der Vorleser" erhielt er den Hans-Fallada-Preis (1997), den italienischen Literaturpreis Grinzane Cavour (1997), den Prix Laure Bataillon (bestdotierter Preis für übersetzte Literatur) (1997) und den WELT-Literaturpreis der Zeitung Die Welt (1999).
"Der Vorleser" wurde in 39 Sprachen übersetzt und war das erste deutsche Buch, das auf Platz 1 der Bestsellerliste der New York Times stand. 2007 begann die Verfilmung in Berlin, Görlitz und Köln.
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Donnerstag, 12. Februar 2009 | | 0 Kommentare

Autor des Monats Februar: Günter Grass


Günter Grass wurde am 16. Oktober 1927 als Sohn eines protestantischen Lebensmittelhändlers und einer Katholikin kaschubischer Herkunft in Danzig-Langfuhr geboren. Der Vater trat 1936 in die NSDAP ein.
Am 10. November 1944 wurde Günter Grass zur Waffen-SS einberufen und zum Panzerschützen ausgebildet (10. SS-Panzer-Division "Jörg von Frundsberg"). Nach einer Verwundung am 20. April 1945 geriet er am 8. Mai in amerikanische Gefangenschaft. Nach seiner Freilassung am 24. April 1946 wollte Günter Grass zuerst in Göttingen das Abitur nachholen, aber dann überlegte er es sich anders und arbeitete etwa ein Jahr lang als Koppeljunge in einem Kalibergwerk zwischen Hildesheim und Hannover. Anschließend studierte er bis 1952 Grafik und Bildhauerei an der Kunstakademie in Düsseldorf. Parallel zu seiner Arbeit als bildender Künstler begann Günter Grass zu schreiben und gehörte ab 1957 der
"Gruppe 47" an. Sein erster Gedichtband erschien 1956: "Die Vorzüge der Windhühner". Sein Theaterstück "Hochwasser" wurde am 19. Januar 1957 in Frankfurt am Main uraufgeführt. Der im Jahr darauf veröffentlichte Roman "Die Blechtrommel" – eines der bedeutendsten Werke der deutschen Nachkriegsliteratur – machte ihn weltberühmt. Das Manuskript hatte Günter Grass in Paris verfasst, wo er sich von Anfang 1956 bis Anfang 1960 mit der Schweizer Balletttänzerin Anna Schwarz aufhielt, die von 1954 bis 1978 seine Frau war, und wo 1957 die Zwillinge Franz und Raoul geboren wurden. (Dreißig Jahre später lebte er noch einmal einige Zeit im Ausland, und zwar von August 1986 bis Januar 1987 mit der Organistin Ute Grunert, die er 1979 geheiratet hatte, in Indien, meistens in Kalkutta.) Als die Berliner Akademie der Künste eine Solidaritätsveranstaltung für Salman Rushdie abgelehnt hatte, trat er 1989 aus. (Neun Jahre später wurde er erneut Mitglied der Akademie der Künste.) Nach dem überraschenden Zusammenbruch des DDR-Regimes setzte er sich 1990 in Zeitungsartikeln dafür ein, Ostdeutschland nicht kurzerhand anzuschließen, sondern die beiden Teile Deutschlands schrittweise zusammenwachsen zu lassen.
1997 wurde Günter Grass der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verliehen. Zwei Jahre später erhielt er den
Nobelpreis für Literatur. Anlässlich seines 75. Geburtstages druckte der Steidl Verlag in Göttingen 2002 eine von Volker Neuhaus und Daniela Hermes editierte Werksausgabe von Günter Grass in 18 Bänden (8192 Seiten).Dass er als Jugendlicher gegen Ende des Zweiten Weltkriegs bei der Waffen-SS gewesen war, gab Günter Grass erst 61 Jahre später zu, am 12. August 2006 in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Das späte Geständnis gerade eines berühmten Mahners löste heftige kontroverse Reaktionen aus. Damit gelang es Günter Grass jedenfalls, besondere Aufmerksamkeit auf sein neues Buch zu lenken: die Autobiografie "Beim Häuten der Zwiebel" (479 Seiten, Steidl Verlag, Göttingen 2006).
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